Afra - Heinrich Hansjakob - Страница 1 из 73


bewacht von den düstern Bergkuppen des oberen Kinzigtals, steht
eine Kultur-Oase mitten im Waldmeer, der Fohrengrund genannt. Auf ihr
erhebt sich zauberhaft eine einsame, malerische Hütte. Sie
gehörte vor fünfzig Jahren einem Kleinbauern, dem auf den
grünen Matten um die Hütte das Gras wuchs, um damit zwei
Kühlein und ein »junges Stück« zu füttern,
und der auf den mageren Aeckerlein unter derselben die Kartoffeln und
das Korn pflanzte für seinen und seiner Familie Unterhalt.
Der Wald ob der Kutte war sein und gab ihm die Mittel an die Hand,
Bargeld zu bekommen, um sich und die Seinen kleiden, Steuer und Umlage
zahlen und an Sonn- und Feiertagen drunten im Tal bisweilen einen
Schoppen trinken zu können. Einmal im Jahre trieb er auch ein
Stück Vieh zu Markt und brachte so »ein Geld« heim.
Er stammte aus dem Tal drunten, hatte in den dreißiger
Jahren des 19. Jahrhunderts mit seinem Weib die wunderbare Hütte
erheiratet und ward fortan nach seinem Vornamen genannt »der
Fohrengrund-Xaveri«. Es waren ihm und seinem Weib, der
Franziska, im stillen Laufe der Zeit zwei Meidle groß
geworden. Sie hießen mit gar schönen und passenden Namen
Afra und Maria Eva. Die Meidle im Kinzigtale, namentlich um
Hasle rum, wo im Dorfe Mühlenbach Sankt Afra Patronin ist, tragen
nicht ungern den Namen dieser Heiligen. Sie war bekanntlich in ihrer
Jugend eine Sünderin der Art, wie Frauen sündigen, und


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