Aus dem Leben eines Glücklichen - Heinrich Hansjakob - Страница 1 из 30


heißesten Strahlen ins Dreisamtal sendet und selbst die dicken
Mauern meiner Kalthäuser Zelle durchdringt, flüchte ich mich
öfters hinaus in den Wald. Ich nehme dann jeweils den Stuhl
mit, der innerhalb der Gartenmauer unter dem Lärchenbaum steht,
und setze mich an eine recht düstere Stelle. Hier unter
dunkeln Tannen weilt kühler Schatten. Die Vögelein ruhen;
ringsum ist heilige Stille. Nur drüben in einer kleinen Schlucht
murmelt leise ein Bächlein, und droben durch die hellgrünen
Buchen zittert das Sonnenlicht herab auf Moos und Stein. Ich bin
allein, oder ich glaubte wenigstens lange Zeit, es zu sein, bis eines
Tages ein Wesen, das bisher stumm zwischen zwei großen Tannen
saß, zu reden anfing. Ich war nicht wenig erstaunt, als dieses
altersgraue Ding, mit einem grünen Röcklein angetan,
plötzlich Leben gewann. Ich sah an ihm Augen, einen Bart und eine
mächtige Römernase, auch einen breiten, dünnlippigen
Mund. Aus diesem Munde aber kamen, während ich still brütend
zu ihm hinschaute, plötzlich die folgenden Worte: Schon
oft hab' ich dich, armes Menschenkind, hier sitzen sehen und dich
seufzen hören und dir im Gesicht abgelesen, daß du nicht zu
den Glücklichen dieser Erde gehörst. Ich kann dir's nicht
verübeln. Ich bin uralt und habe schon zahllose Wesen kennen
gelernt, aber außer mir niemals eines, dem Leid und Schmerz
erspart geblieben wären. Ich habe von dem niedern


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