Aus dem Leben eines Unglücklichen - Heinrich Hansjakob - Страница 1 из 38


Seit Jahr und Tag bringe ich meine dienstfreie Zeit außerhalb
der Stadt Freiburg zu. In einem ehemaligen Karthäuserkloster,
jetzt städtisches Armenhaus, am Walde gelegen, mit herzerhebender
Aussicht ins tannenumgrenzte Dreisamtal, habe ich mir eine stille
Klause angelegt, in der ich ausruhe, sinne und spinne. An
schönen Tagen verlasse ich diese Klause und steige hinab ins
grüne Tal, wandle langsam an Bach und Wiese einige Zeit aus und
ab und kehre dann mehr oder weniger stillvergnügt wieder in meine
Zelle zurück. So geschah es auch an einem warmen
Frühlings-Nachmittag des Jahres 1898. Die Sonne lachte über
Berg und Tal, die Drosseln jubelten in den Föhren, die Bienlein
summten an den blühenden Stauden am Bache hin, und aus den Matten
streckten die ersten Blumen lebensfroh ihre Kelche dem erweckenden
Lichte entgegen. Zwischen Fluß und Bächlein ließ
ich mich inmitten des grünen Wiesengrundes auf einer
»Stellfalle«, welche die Bewässerung der Wiesen
reguliert, nieder, um auszuruhen. Da lag vor mir in dem trockenen
Wassergraben ein alter, abgenutzter Besen aus Birkenreisern. Kaum
hatte derselbe bemerkt, daß ich einige Sekunden auf ihn
niedersah, als er in meinem Geiste also zu reden anfing: Du alter
Kulturfeind kommst mir gerade recht. Schon öfters sah ich dich
vorüberwandeln und hätte gern mit dir gesprochen. Ich
bin auch einer von denen, welche die Kultur der Menschen


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