Aus dem Leben eines Vielgeprüften - Heinrich Hansjakob - Страница 1 из 43


mich noch einige Minuten an das Fenster meines kleinen Eßzimmers
und schaue, nichts denkend, auf den Franziskanerplatz hinab.
Leute kommen und Leute gehen vor meinen Augen hin und her – im
Schatten des Denkmals, das die Stadt Freiburg dem Pulver-Erfinder und
Franziskaner-Mönch, dem schwarzen Berthold, aufgestellt hat.
Selten fesselt eines der an mir vorüberziehenden Menschenkinder
meinen Blick. Alltagsgeschäfte bilden Alltagsgesichter. Nur an
Sonntagen, wenn die Menschen, frei vom Joch der Arbeit, morgens zur
und von der Kirche gehen und am Nachmittag zu Ausflügen über
den Franziskanerplatz wandeln, sieht man verklärte Mienen.
Was aber seit einigen Wochen meine Aufmerksamkeit täglich auf
sich zieht, das ist ein alter Gaul, der, an einen Milchwagen gespannt,
jeden Morgen nach neun Uhr einige Zeit unter meinem Fenster steht.
Ich bin sonst kein Freund der Milchkarren, die auf dem genannten
Platz auftauchen und wieder verschwinden. Die meisten sind mit Hunden
bespannt, und diese Bestien bellen, so oft jemand ihnen und der von
ihnen transportierten Ware zu nahe kommt. Hundegebell ist mir
aber der verhaßteste Lärm. Mit Pferden bespannte
Milchwagen ersparen mir diesen Lärm, und ich sehe sie ebenso gern
vor meinem Hause, wie ich die Hundewagen hasse. Der neulich
angerückte Karrengaul ist ein Rotschimmel, dem man bessere Tage
und einstige Kraft und Schönheit heute noch ansieht. Mit


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