Meine Madonna - Heinrich Hansjakob - Страница 1 из 266


Schwarzwälderin« die Geschichte meines mütterlichen
Großvaters und seiner Hausierliste geschrieben, sind alle
Familienstücke, die ich besitze, unruhig und lebendig geworden.
So oft ich eines derselben ansehe, mein' ich immer, es wolle reden und
erzählen. Und mein »Genius«, dieser boshafte
Musen-Bastard, hilft ihnen noch und plagt mich auch immer, wenn ich in
einsamen Stunden die Andenken an meine Bäcker- und
Hausierer-Ahnen betrachte. Er sagt mir dann jeweils: »Löse
doch diesen stummen Zeugen einer kleinbürgerlichen, dir aber so
nahestehenden Vergangenheit die Zunge, und laß sie reden von
alten Zeiten und von längst vergangenen Menschen!« Im
Frühjahr des Jahres 1901 habe ich in Haste ein weiteres altes
Familienstück entdeckt und erworben, das mein Urgroßvater,
der Bäcker Tobias Hansjakob, anno 1755 in seiner Backstube
aufstellen ließ, und das dort geblieben ist bis zum Jahre 1858.
Also mehr als ein Jahrhundert lang hat dies Gebilde zugeschaut der
Arbeit und den Mühen einer Bäckersfamilie, hat alles
gehört und gesehen, was in dieser langen Zeit in der Backstube
getan und geredet und erzählt worden ist. Eine Backstube, in
der die Nachbarn des Bäckers mit Vorliebe sich einfanden, war in
der guten, alten Zeit eine kleine Welt. Drum, wer aus ihr
erzählen könnte, wüßte viel. Leider lebt kein
Mensch mehr von all denen, die in meines Urgroßvaters Backstube
arbeiteten, redeten und erzählten. Selbst das Haus ist


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