Theodor, der Seifensieder - Heinrich Hansjakob - Страница 1 из 106


der Stadt Kassel liegen am Eingang eines Dorfes sechs
Handwerksburschen. Der eine, ein alter Knabe, meint, in diesem Dorfe
sei heute Kirchweih, da müßte man fechten, es gebe
»Küchle«. Der Vorschlag wird angenommen. Die Kumpane
verteilen unter sich das Dorf, um, jeder für sich, ans
Küchlefechten zu gehen. Der jüngste unter ihnen, ein
achtzehnjähriger, frischer Bursche, elegant und zünftig
gekleidet in blauen Tuchanzug, einen Zylinder mit Wachstuch
überzogen auf dem Haupt, einen mächtigen Ziegenhainer in der
Rechten und ein großes ledernes Felleisen auf dem Rücken,
schickte sich bebenden Herzens zum Fechten an. Ihm waren die
letzten Häuser des Dorfes zugefallen, aber er des Fechtens nicht
gewohnt, weil in jener Zeit die Handwerksburschen nur in der Not
fochten und ihnen überall die Zunft unterstützend zur Seite
stand. In drei Häusern bat er um Küchle, in allen
dreien wurde er mit seiner Bitte abgewiesen. So kam er an das
allerletzte Haus: es schien ihm das Pfarrhaus zu sein, hier, dachte
er, bekommst du gewiß Küchle. Mit diesem Gedanken
ging er die steineine Treppe hinauf und im Haus der Küche zu, wo
zwei weibliche Wesen hantierten, während in einer Ecke, mit einem
weißen Tuch bedeckt, ein Korb stund, in dem der Fremdling sicher
den Leckerbissen vermutete. Bescheiden tat er seinen Spruch:
»Ein armer Handwerksbursche bittet, da es Kirchweih ist, um ein
Küchle.« »Es tut mir leid,« sagte die


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