Zwiegespräche über den Weltkrieg gehalten mit Fischen auf dem Meeresgrund - Heinrich Hansjakob - Страница 1 из 74


Weltkrieg gehalten mit Fischen auf dem Meeresgrund 1.–25.
Tausend Stuttgart
Verlag von Adolf Bonz & Comp. 1916 Druck von A. Bonz'
Erben in Stuttgart.
1. Ich leide an Schlaflosigkeit und gebrauche
fast jeden Abend seit 25 Jahren Schlafmittel. Trotzdem habe ich jede
Nacht so zwischen 3 und 6 Uhr schlaflose Stunden. In diesen mache ich
mir Gedanken über alles Mögliche. Wie eine alte Möwe,
dieser Schwimmvogel, der über den Wassern fliegen und auf ihnen
ruhen kann, einsam am Meeresstrand auf einem Felsriff sitzt und
trüben Sinnes hinausschaut auf das Meer, auf seine
Wellenhügel und seine Inseleilande und der Zeiten gedenkt, da sie
jung und stark mit ihren Genossinnen über den Wassern dahinflog
und tagelang die Schiffe umkreiste, ähnlich mache ich es in
schlaflosen Stunden der Nacht, um mir die Zeit zu vertreiben.
Ich schaue über das Meer meines Lebens hin und denke an die
Personen und Ereignisse, die mir auf diesem stürmischen Meere
begegnet und an mir vorübergegangen sind. Aber ich verweile, wie
es bei der Gedankenflucht nervöser Menschen üblich ist, nie
lange bei einer Person oder einem Ereignisse, und so stürmen die
Erinnerungen durch mein Gehirn wie die Bilder in einem
Kinematographen. Diese Gedankenflucht hat seit den Tagen des
schrecklichen Weltkriegs ziemlich aufgehört, und ich
beschäftige mich allermeist nur mit dem Krieg, seinen Ursachen


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