Über Ludwig Börne - Heinrich Heine - Страница 1 из 205


daß mir der Name Börne zuerst ans Ohr klang. Ich befand
mich mit meinem seligen Vater auf der Frankfurter Messe, wohin er mich
mitgenommen, damit ich mich in der Welt einmal umsehe; das sei
bildend. Da bot sich mir ein großes Schauspiel. In den
sogenannten Hütten, oberhalb der Zeil, sah ich die Wachsfiguren,
wilde Tiere, außerordentliche Kunst- und Naturwerke. Auch zeigte
mir mein Vater die großen, sowohl christlichen als
jüdischen Magazine, worin man die Waren zehn Prozent unter dem
Fabrikpreis einkauft, und man doch immer betrogen wird. Auch das
Rathaus, den Römer, ließ er mich sehen, wo die deutschen
Kaiser gekauft wurden, zehn Prozent unter dem Fabrikpreis. Der Artikel
ist am Ende ganz ausgegangen. Einst führte mich mein Vater ins
Lesekabinett einer der A oder D Logen, wo er oft soupierte, Kaffee
trank, Karten spielte und sonstige Freimaurer-Arbeiten verrichtete.
Während ich im Zeitungslesen vertieft lag, flüsterte mir ein
junger Mensch, der neben mir saß, leise ins Ohr:
»Das ist der Doktor Börne, welcher gegen die
Komödianten schreibt!« Als ich aufblickte, sah ich
einen Mann, der, nach einem Journale suchend, mehrmals im Zimmer sich
hin- und herbewegte und bald wieder zur Tür hinausging. So kurz
auch sein Verweilen, so blieb mir doch das ganze Wesen des Mannes im
Gedächtnisse, und noch heute könnte ich ihn mit
diplomatischer Treue abkonterfeien. Er trug einen schwarzen Leibrock,


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