Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski - Heinrich Heine - Страница 1 из 73


Schnabelewopski Erstes Buch Kapitel I Mein Vater
hieß Schnabelewopski; meine Mutter hieß Schnabelewopska;
als beider ehelicher Sohn wurde ich geboren den ersten April 1795
zu Schnabelewops. Meine Großtante, die alte Frau von Pipitzka,
pflegte meine erste Kindheit, und erzählte mir viele schöne
Märchen, und sang mich oft in den Schlaf mit einem Liede, dessen
Worte und Melodie meinem Gedächtnisse entfallen. Ich vergesse
aber nie die geheimnisvolle Art, wie sie mit dem zitternden Kopfe
nickte, wenn sie es sang, und wie wehmütig ihr großer
einziger Zahn, der Einsiedler ihres Mundes, alsdann zum Vorschein kam.
Auch erinnere ich mich noch manchmal des Papagois, über dessen
Tod sie so bitterlich weinte. Die alte Großtante ist jetzt
ebenfalls tot, und ich bin in der ganzen weiten Welt wohl der einzige
Mensch, der an ihren lieben Papagoi noch denkt. Unsere Katze
hieß Mimi und unser Hund hieß Joli. Er hatte viel
Menschenkenntnis und ging mir immer aus dem Wege wenn ich zur Peitsche
griff. Eines Morgens sagte unser Bedienter: der Hund trage den Schwanz
etwas eingekniffen zwischen den Beinen und lasse die Zunge länger
als gewöhnlich hervorhängen; und der arme Joli wurde, nebst
einigen Steinen, die man ihm an den Hals festband, ins Wasser
geworfen. Bei dieser Gelegenheit ertrank er. Unser Bedienter
hieß Prrschtzztwitsch. Man muß dabei niesen, wenn man
diesen Namen ganz richtig aussprechen will. Unsere Magd hieß


-10     пред. Страница 1 из 73 след.     +10