Der Doktor Faust - Heinrich Heine - Страница 1 из 63


Tanzpoem,
nebst
kuriosen Berichten über Teufel, Hexen
und Dichtkunst Einleitende Bemerkung Herr
Lumley, Direktor des Theaters Ihrer Majestät der Königin zu
London, forderte mich auf, für seine Bühne ein Ballett zu
schreiben, und diesem Wunsche willfahrend dichtete ich das
nachfolgende Poem. Ich nannte es: Doktor Faust, ein Tanzpoem. Doch
dieses Tanzpoem ist nicht zur Aufführung gekommen, teils weil in
der Saison, für welche dasselbe angekündigt war, der
beispiellose Sukzeß der sogenannten schwedischen Nachtigall jede
andere Exhibition im Theater der Königin überflüssig
machte, teils auch weil der Ballettmeister aus Esprit de Corps de
Ballet, hemmend und säumend, alle möglichen
Böswilligkeiten ausübte. Dieser Ballettmeister hielt es
nämlich für eine gefährliche Neuerung, daß einmal
ein Dichter das Libretto eines Balletts gedichtet hatte, während
doch solche Produkte bisher immer nur von Tanzaffen seiner Art, in
Kollaboration mit irgendeiner dürftigen Literatenseele, geliefert
worden. Armer Faust! armer Hexenmeister! so mußtest du auf die
Ehre verzichten, vor der großen Victoria von England deine
Schwarzkünste zu produzieren! Wird es dir in deiner Heimat besser
gehn? Sollte gegen mein Erwarten irgendeine deutsche Bühne ihren
guten Geschmack dadurch bekunden, daß sie mein Opus zur
Aufführung brächte, so bitte ich die hochlöbliche
Direktion bei dieser Gelegenheit auch nicht zu versäumen, das dem


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