Die Götter im Exil - Heinrich Heine - Страница 1 из 36


in meinen frühesten Schriften besprach ich die Idee, welcher die
nachfolgenden Mitteilungen entsprossen. Ich rede nämlich hier
wieder von der Umwandlung in Dämonen, welche die
griechisch-römischen Gottheiten erlitten haben, als das
Christentum zur Oberherrschaft in der Welt gelangte. Der Volksglaube
schrieb jenen Göttern jetzt eine zwar wirkliche, aber
vermaledeite Existenz zu, in dieser Ansicht ganz übereinstimmend
mit der Lehre der Kirche. Letztere erklärte die alten Götter
keineswegs, wie es die Philosophen getan, für Schimären,
für Ausgeburten des Lugs und des Irrtums, sondern sie hielt sie
vielmehr für böse Geister, welche durch den Sieg Christi vom
Lichtgipfel ihrer Macht gestürzt, jetzt auf Erden, im Dunkel
alter Tempeltrümmer oder Zauberwälder, ihr Wesen trieben und
die schwachen Christenmenschen, die sich hierhin verirrt, durch ihre
verführerischen Teufelskünste, durch Wollust und
Schönheit, besonders durch Tänze und Gesang, zum Abfall
verlockten. Alles was auf dieses Thema Bezug hat, die Umgestaltung der
alten Naturkulte in Satansdienst und des heidnischen Priestertums in
Hexerei, diese Verteuflung der Götter, habe ich sowohl im zweiten
wie im dritten Teile des »Salon« unumwunden besprochen,
und ich glaube mich jetzt um so mehr jeder weitern Besprechung
überheben zu können, da seitdem viele andre Schriftsteller,
sowohl der Spur meiner Andeutungen folgend, als auch angeregt durch


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