Die parlamentarische Periode des Bürgerkönigtums - Heinrich Heine - Страница 1 из 560


Neujahr herannaht, der Tag der Geschenke, überbieten sich hier
die Kaufmannsläden in den mannigfaltigsten Ausstellungen. Der
Anblick derselben kann dem müßigen Flaneur den angenehmsten
Zeitvertreib gewähren; ist sein Hirn nicht ganz leer, so steigen
ihm auch manchmal Gedanken auf, wenn er hinter den blanken
Spiegelfenstern die bunte Fülle der ausgestellten Luxus- und
Kunstsachen betrachtet und vielleicht auch einen Blick wirft auf das
Publikum, das dort neben ihm steht. Die Gesichter dieses Publikums
sind so häßlich ernsthaft und leidend, so ungeduldig und
drohend, daß sie einen unheimlichen Kontrast bilden mit den
Gegenständen, die sie begaffen, und uns die Angst anwandelt,
diese Menschen möchten einmal mit ihren geballten Fäusten
plötzlich dreinschlagen und all das bunte, klirrende Spielzeug
der vornehmen Welt mitsamt dieser vornehmen Welt selbst gar
jämmerlich zertrümmern! Wer kein großer Politiker ist,
sondern ein gewöhnlicher Flaneur, der sich wenig kümmert um
die Nuance Defaure und Passy, sondern um die Miene des Volks auf den
Gassen, dem wird es zur festen Überzeugung, daß früh
oder spät die ganze Bürgerkomödie in Frankreich mitsamt
ihren parlamentarischen Heldenspielern und Komparsen ein ausgezischt
schreckliches Ende nimmt und ein Nachspiel aufgeführt wird,
welches das Kommunistenregiment heißt! Von langer Dauer freilich
kann dieses Nachspiel nicht sein; aber es wird um so gewaltiger die


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