Elementargeister - Heinrich Heine - Страница 1 из 76


giebt es greise Menschen in Westphalen, die noch immer wissen wo die
alten Götterbilder verborgen liegen; auf ihrem Sterbebette sagen
sie es dem jüngsten Enkel, und der trägt dann das theure
Geheimniß in dem verschwiegenen Sachsenherz. In Westphalen, dem
ehemaligen Sachsen, ist nicht alles todt was begraben ist. Wenn man
dort durch die alten Eichenhaine wandelt, hört man noch die
Stimmen der Vorzeit, da hört man noch den Nachhall jener
tiefsinnigen Zaubersprüche, worin mehr Lebensfülle quillt,
als in der ganzen Literatur der Mark Brandenburg. Eine
geheimnißvolle Ehrfurcht durchschauerte meine Seele, als ich
einst, diese Waldungen durchwandernd, bey der uralten Siegburg vorbey
kam. »Hier«, sagte mein Wegweiser, »hier wohnte
einst König Wittekind« und er seufzte tief. Es war ein
schlichter Holzhauer und er trug ein großes Beil. Ich bin
überzeugt, dieser Mann, wenn es drauf ankömmt, schlägt
er sich noch heute für König Wittekind; und wehe! dem
Schädel worauf sein Beil fällt. Das war ein schwarzer
Tag für Sachsenland, als Wittekind, sein tapferer Herzog, von
Kaiser Karl geschlagen wurde, bey Engter. »Als er flüchtend
gen Ellerbruch zog, und nun alles, mit Weib und Kind, an den Furth kam
und sich drängte, mochte eine alte Frau nicht weiter gehen. Weil
sie aber dem Feinde nicht lebendig in die Hände fallen sollte, so
wurde sie von den Sachsen lebendig in einen Sandhügel bey
Bellmans-Kamp begraben; dabey sprachen sie: krup under, krup under, de


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