Florentinische Nächte - Heinrich Heine - Страница 1 из 87


Nacht Im Vorzimmer fand Maximilian den Arzt, wie er eben seine
schwarzen Handschuhe anzog. »Ich bin sehr pressiert«, rief
ihm dieser hastig entgegen. »Signora Maria hat den ganzen Tag
nicht geschlafen, und nur in diesem Augenblick ist sie ein wenig
eingeschlummert. Ich brauche Ihnen nicht zu empfehlen, sie durch kein
Geräusch zu wecken; und wenn sie erwacht, darf sie beileibe nicht
reden. Sie muß ruhig liegen, darf sich nicht rühren, nicht
im mindesten bewegen, darf nicht reden, und nur geistige Bewegung ist
ihr heilsam. Bitte, erzählen Sie ihr wieder allerlei
närrische Geschichten so daß sie ruhig zuhören
muß.« »Seien Sie unbesorgt, Doktor«,
erwiderte Maximilian mit einem wehmütigen Lächeln.
»Ich habe mich schon ganz zum Schwätzer ausgebildet und
lasse sie nicht zu Worte kommen. Und ich will ihr schon genug
phantastisches Zeug erzählen, soviel Sie nur begehren... Aber wie
lange wird sie noch leben können?« »Ich bin sehr
pressiert«, antwortete der Arzt und entwischte. Die schwarze
Debora, feinöhrig wie sie ist, hatte schon am Tritte den
Ankommenden erkannt, und öffnete ihm leise die Türe. Auf
seinen Wink verließ sie ebenso leise das Gemach, und Maximilian
befand sich allein bei seiner Freundin. Nur dämmernd war das
Zimmer von einer einzigen Lampe erhellt. Diese warf, dann und wann,
halb furchtsam halb neugierige Lichter über das Antlitz der
kranken Frau, welche, ganz angekleidet, in weißem Musselin, auf


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