Lutetia - Heinrich Heine - Страница 1 из 193


(1840-1841) Zueignungsbrief An seine Durchlaucht,
den Fürsten Pückler-Muskau. Die Reisenden, welche
irgendeinen durch Kunst oder historische Erinnerung denkwürdigen
Ort besuchen, pflegen Mauern und Wänden ihre respektiven Namen zu
inskribieren, mehr oder minder leserlich, je nachdem das
Schreibmaterial war, das ihnen zu Gebote stand. Sentimentale Seelen
sudeln hinzu auch einige pathetische Zeilen gereimter oder ungereimter
Gefühle. In diesem Wust von Inschriften wird unsre Aufmerksamkeit
plötzlich in Anspruch genommen von zwei Namen, die nebeneinander
eingegraben sind; Jahrzahl und Monatstag steht darunter, und um Namen
und Datum schlängelt sich ein ovaler Kreis, der einen Kranz von
Eichen- oder Lorbeerblättern vorstellen soll. Sind den
spätem Besuchern des Ortes die Personen bekannt, denen jene zwei
Namen angehören, so rufen sie ein heiteres: Sieh da! und sie
machen dabei die tiefsinnige Bemerkung, daß jene beiden also
einander nicht fremd gewesen, daß sie wenigstens einmal auf
derselben Stelle einander nahe gestanden, daß sie sich im Raum
wie in der Zeit zusammengefunden, sie, die so gut
zusammenpaßten. – Und nun werden über beide Glossen
gemacht, die wir leicht erraten, aber hier nicht mitteilen wollen.
Indem ich, mein hochgefeierter und wahlverwandter Zeitgenosse, durch
die Widmung dieses Buches gleichsam auf die Façade desselben
unsre beiden Namen inskribiere, folge ich nur einer heiter gaukelnden


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