Rezensionen - Heinrich Heine - Страница 1 из 85


Herausgegeben von Friedrich Raßmann Hamm, bei Schmilz und
Wundermann. (1821) »Was lange wird, wird gut«
– »Eile mit Weile« – »Rom ist nicht in
einem Tag gebaut« – »Kommst du heute nicht, kommst
du morgen« und noch viele hundert ähnliche
Sprichwörter führt der Deutsche beständig im Munde,
dienen ihm als Krücken bei jeder Handlung und sollten mit Recht
der ganzen deutschen Geschichte als Motto vorangesetzt werden. –
Nur unsere Almanachs-Herausgeber haben sich von jenen ledigen
Sprichwörtern losgesagt, und ihre poetischen
Blumensträußchen, die dem Publikum in winterlicher Zeit ein
Surrogat für wirkliche Sommerblumen sein sollen, pflegen schon im
Frühherbste zu erscheinen. Es ist daher befremdend, daß
vorliegender poetische Blumenstrauß so spät, nämlich
im April 1821, zum Vorschein gekommen. Lag die Schuld an den
Blumenlieferanten, den Einsendern? oder am Straußbinder, dem
Herausgeber? oder an der Blumenhändlerin, der Verlagshandlung?
Doch es ist ja kein gewöhnlicher Almanach, kein poetisches
Taschenbuch oder ähnliches Duodezbüchlein, das als ein
niedliches Neujahrsgeschenk in die Sammel-Ridiküls holder Damen
geschmeidig hineingleiten soll, oder bestimmt ist, mit der
feingeglätteten Vignettenkapsel und dem hervorblitzenden
Goldschnitt auf duftender Toilette neben der Pomadenbüchse zu
prangen; nein – Herr Raßmann gibt uns einen
Musen-Almanach. In einem solchen darf nämlich gar keine Prosa


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