Die Nachbarn - Helene Hübener - Страница 1 из 311


kommen doch in dieser Woche zu mir?« Mit diesen Worten
ging eine feingekleidete Dame auf ein Häuschen zu, das schmuck
und sauber anzusehen war. Es lag ziemlich am Ende der Stadt, an der
Straße, die nach dem Bahnhof führte. So blank und sauber
wie das Häuschen war auch die Frau anzusehen, die in der offenen
Haustüre stand. Über einem Kleid von dunklem Wollstoff war
eine helle, frischgewaschene Schürze gebunden, das Haar, das
schon Silberfäden zeigte, war glatt gescheitelt, das Gesicht
machte einen treuherzigen Eindruck, man konnte auf den ersten Blick
Zutrauen zu der Frau gewinnen. »Zum Waschen kann ich in
dieser Woche nicht kommen, Frau Belzer; ich habe ein Erlebnis
gehabt.« »Was ist denn passiert, liebe Frau? Ihrem
Mann ist doch kein Unglück zugestoßen? Sie sehen sorgenvoll
aus.« – »Mein Mann ist frisch und gesund. Er
ist heute morgen, wie gewöhnlich, auf Arbeit gegangen. Die
Zimmerleute haben jetzt bei dem großen Bau des neuen
Krankenhauses viel zu tun. Aber kommen Sie herein, Frau Belzer, ich
muß Ihnen alles erzählen, wie es gekommen, es ist eine
lange Geschichte.« Voll Bewunderung folgte Frau Belzer der
Alten in das kleine, rechts von der Haustüre gelegene Zimmer, das
einen durchaus einfachen, aber behaglichen Eindruck machte. Frau
Rösel nötigte die Dame auf das mit schwarzem Ledertuch
überzogene Sofa und begann: »Ich will Ihnen
nur gleich sagen, Frau Belzer, daß ich im Oberstübchen eine


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