Die drei Freundinnen - Helene Hübener - Страница 1 из 328


Erzählung   42.-47. Tausend 1928 D.
Gundert, Verlag, Stuttgart
1. Die drei »E« Heiß schien die Sonne zur
Mittagszeit über dem Städtchen Bergen. Still und leer war's
auf den Straßen. Nicht als ob sonst viel Leben darin herrschte,
aber die wenigen Leute, die ihren Handel und Wandel darinnen hatten,
waren unsichtbar. Die Bewohner der kleinen, bescheidenen Häuser
aßen ihr Mittagsbrot oder hielten in der Schwüle des Tages
ihr Schläfchen. Man konnte ungesehen auf den Markt gelangen, der
größere Häuser aufzuweisen hatte, ja einige hatten ein
vornehmes Aussehen und zeugten von der Wohlhabenheit ihrer Besitzer.
Wir betreten keines dieser kleinen Häuser, sondern wenden uns
nach rechts in das sogen. Pfarrgäßchen, das einen freien
Blick auf den Kirchplatz und auf die hübsche, mit gotischem Turm
versehene Kirche eröffnet. Der Kirche gegenüber steht ein
altes, ehrwürdiges Haus mit dunkelgrünem Ölanstrich. Es
schaut düster und mürrisch drein, und wollte man nach seinem
Aussehen die Insassen beurteilen, so müßte eine
melancholisch angelegte Familie darin hausen. Dem ist aber nicht so.
Betreten wir das Haus. Tiefe Stille umgibt uns. Möglicherweise
halten Superintendents Mittagsruhe. Aus der Ferne aber, vom Garten
her, vernehmen wir fröhliche Stimmen, und da die offene
Hintertür des Hauses den Blick auf einen mit schattigen
Nußbäumen versehenen Hof gewährt, so dringen mir


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