Großmütterchen - Helene Hübener - Страница 1 из 326


»Großmutter will morgen zur Stadt fahren«, jubelten
die Kinder. »Weiß denn Großmutter nicht, daß
es morgen schneien und daß die Fahrt bitterkalt sein
wird«, sagte Pfarrer Ries, der behaglich im Sofaeckchen
saß und aus seiner langen Pfeife große Dampfwolken vor
sich herblies. »Großmutter hat einen großen
Fußsack«, rief eine Stimme aus der Kinderschar. »Und
warme Tücher und Mäntel«, eine andere. »Und
Doßmama muß uns schöne Sachen kaufen«,
quäkte ein kleiner Krauskopf von zwei bis drei Jahren dazwischen.
»Ich wünsche mir eine Trommel und Trompete«,
schmetterte der siebenjährige Philipp, während das
älteste neunjährige Töchterchen hinzufügte:
»Und ich eine Puppenstube! Großmutter hat alles
aufgeschrieben, sie kauft für jeden etwas ein.«
»Quält mir die gute Großmutter nicht
allzusehr«, mahnte der Vater; »sie hat euch an den
Geburtstagen so reich bedacht, da müßt ihr jetzt bescheiden
sein.« »Zu Weihnachten will sie uns viel schenken.
Sie will in einen großen Spielwarenladen gehen und für uns
alle einkaufen.« So schwirrte es durcheinander, als sich die
Tür öffnete und die Mutter der Schar sichtbar wurde. Sie
trug ein großes Brett mit Kaffee und Milch, während ein
junges Mädchen, die Stütze des Hauses, folgte, mit Brot,
Butter und was sonst zum Vesper gehörte. Nun entstand unter den
Kindern neue Bewegung; ihre Aufmerksamkeit und Gedanken wurden auf ein
anderes Feld gelenkt, alles eilte an den Tisch, es wurde mit


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