Was Christine bei ihrer Herrschaft erlebt - Helene Hübener - Страница 1 из 89


erlebt Ursprünglich war ich nicht zum Dienen bestimmt. Meine
Eltern waren wohlhabende Leute. Sie hatten ein
Schnittwarengeschäft, und ich genoß eine gute Schulbildung,
um später die Schreibereien für meinen Vater besorgen zu
können. Nebenbei wurde ich von der Mutter im Haushalt unterwiesen
und mußte alles mit angreifen. Als ich aus der Schule war, half
ich morgens der Mutter in der Küche und im Garten, nachmittags
war ich des Vaters Schreiber und sein Rechenmeister. Der Lehrer hatte
oft gesagt: »Christine, du hast einen guten Kopf und schreibst
eine saubere Hand; aus dir kann etwas werden.« Und heute, nach
Jahren, da ich dies schreibe, bin ich nicht mehr als eine
Stütze der Hausfrau. Das ist so zugegangen: meine Eltern hatten
ihr Vermögen verloren und konnten mit ihrem kleinen, bescheidenen
Laden nicht aufkommen gegen die Großhändler. So haben sie
das Geschäft aufgegeben. Was sie daraus gerettet, reichte eben
hin, sie vor Not und Mangel zu schützen. »Christine! Du
mußt dir deinen Lebensunterhalt bei fremden Leuten
verdienen!« sagte mein Vater kürzlich zu mir. Da trat die
Mutter ein und erzählte, daß sie eben der jungen Pfarrerin
begegnet sei und daß diese gefragt, ob sie nicht ein
älteres, treues Mädchen wisse, die als Stütze in ihr
Haus kommen möchte, die überall nach dem Rechten sähe
und den Haushalt und die Gartenarbeit verstände. Sie solle mit
zur Familie gerechnet werden, müsse sich aber aller Arbeit


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