Apotheker Heinrich - Hermann Heiberg - Страница 1 из 379


Erstes Kapitel. »Guten Morgen, Herr Heinrich!« sagte
ein junges, hübsches Mädchen. Herr Heinrich rieb gerade
eifrig in einem Mörser, als er die bekannte Stimme hörte.
»Guten Morgen, Dora!« – Dora ging noch in die
Konfirmationsstunde, trug aber schon ein langes Kleid, hatte
flatternde blonde Flechten und ein Paar allerliebste, fröhliche
Augen. Sie war die Tochter des Arztes, der gegenüber wohnte,
die Tochter des Physikus. Herr Heinrich und ihr Papa hatten
zusammen studiert. Letzterer war älter und besaß dieses
große Töchterlein; Herr Heinrich war Junggeselle geblieben,
sogar ein rechter Junggeselle. Oft konnte man sich über ihn
ärgern, wenn er so weise sprach oder gar nicht antwortete, nur
die Achseln zuckte. »Für einen Schilling
Salmiakspiritus, bitte!« »Und eine Stange Lakritzen
dazu« – spöttelte Herr Heinrich. Sie schmollte;
immer noch behandelte er sie, als sei sie ein Backfisch. Aber sie
fand es doch richtig, seine gute Laune zu benutzen, und stieß,
sanft sich fügend, heraus: »Wenn Sie mir etwas zugeben
wollen, dann schenken Sie mir eine hübsche Schachtel.«
»Großes Kind!« spöttelte Herr Heinrich
abermals, schüttelte den Kopf, sah ihr in die Augen und schob den
Salmiakspiritus über den Ladentisch. Die Schachtel aber gab
er nicht. »Man kann hier in der Apotheke doch Schachteln
kaufen?« fragte nunmehr Dora, ihr kleines Portemonnaie ziehend,


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