Charaktere und Schicksale - Hermann Heiberg - Страница 1 из 283


lieber Friedrich! Aber daß du überhaupt auf solche Dinge
Wert legst, ist mir bei deinen sonstigen Anschauungen
unverständlich. Du bemühst dich darum, Kommerzienrat zu
werden, und jetzt gerätst du sogar für unsere Margarete auf
ehrgeizige Gedanken. Was sollen wir mit einem Schwiegersohn aus diesen
Kreisen! – Ja, wenn er etwas wäre und
besäße!« Die Frau, die diese Worte an ihren
Mann richtete, war die Gattin des Buchdruckereibesitzers und
Zeitungsinhabers Friedrich Andreas Knoop. Sie saß ihrem Mann
beim ersten Frühstück gegenüber, und schenkte ihm,
während ihrer Rede, nicht nur den Kaffee in seine Tasse ein,
sondern schob ihm auch – umsichtig für ihn besorgt –
den Rahmguß und die Zuckerdose näher. Während er
sich aus beiden bediente, sagte er: »Du hast recht, und du
hast unrecht, Fanny! Vom allgemeinen, vernünftigen Standpunkt aus
betrachtet, verrät ein Hinschielen nach Orden oder anderen
Auszeichnungen keinen besonders erhabenen Geist Der in sich
gefertigte, den tieferen Inhalt der Dinge erfassende Mensch legt auf
solche Aeußerlichkeiten nicht nur keinen Wert, sondern
überläßt das Haschen danach denen, die glauben,
daß sie dadurch in der Welt irgend ein Spürchen mehr
werden! Aber es giebt auch einen anderen Standpunkt! Von diesem aus
lächelt man zwar im stillen über solchen Firlefanz,
verschmäht ihn aber nicht, sondern thut etwas zu seiner
Erlangung, weil eben andere ihm eine Bedeutung beilegen. Daraus


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