Eine vornehme Frau - Hermann Heiberg - Страница 1 из 267


Seiner theuren Mutter,
Asta, geb. Gräfin von Baudissin
gewidmet. Große, kleine Städte! Wir sind in
einer mittleren Stadt von kaum zwanzigtausend Einwohnern, immer noch
winzig genug, daß alles, was nicht diente, hämmerte oder
ackerte, eine große Familie bildete, in der man sich kannte und
sich miteinander befaßte. Und doch trennte sich die
gebildete Gesellschaft in verschiedene Klassen: und wie stets und
überall hielt die eine sich aus besserem Teig gebacken als die
andere. Als der Krieg von 1866 beendet war, empfing die nunmehr
preußische Stadt eine Garnison; es wurden, neben Infanterie,
einige Schwadronen Husaren nach C. verlegt. Aber die Offiziersfamilien
sonderten sich, zumal da sie noch Fremdlinge waren, gänzlich ab,
und nur zu den höheren Beamten und dem Adel nahmen sie diejenige
Fühlung, welche ihnen gleichsam vorgeschrieben war. Im
übrigen konnte die Bürgerschaft mit der stehenden
Einquartierung wohl zufrieden sein, denn unter den Husaren befanden
sich wohlhabende, sogar reiche Leute, welche das Geld nicht in die
Schublade versteckten. Die neuen Verhältnisse waren dem
Städtchen günstig. Der Geschäftsgeist regte sich, und
besonders die Bautätigkeit erwachte. Die Bürger verdienten
Geld und fanden sich rascher in die neuen Dinge, als man erwartet
hatte. Und so verging die Zeit mit ihrem Wechsel, und so lebte die
Einwohnerschaft mit ihrem Spott, ihrer Neugierde und ihrem Gerede


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