Erzählungen - Hermann Heiberg - Страница 1 из 243


ich ihn heute noch vor mir sähe, den zierlichen Mann mit dem
blonden Spitzbart und den stets hellblanken Schuhen, in der von der
Mode abweichenden auffallenden Kleidung und mit den eigentümlich
tänzelnden Bewegungen beim Gehen. Er grüßte jedermann,
auch Botenfrauen und Kinder; wer über den Weg kam, ward von ihm
beachtet, er hatte die Augen überall. – Nie sah man ihn in
ein Wirtshaus gehen, auch rauchte er nicht und hielt sich nirgend
lange auf. Er hatte stets Eile und – hatte doch nichts zu thun
fast das ganze Jahr. Nur einige Monate war er beschäftigt. Dann
stand im Tageblatt eine Annonce, die immer gleich lautete:
»Anmeldungen zum diesjährigen Tanzunterricht für
Knaben und Mädchen nimmt täglich vormittags persönlich
entgegen und erteilt nähere Auskunft Cäsar de Maurice
(sprich: Mohries). Alter Weg Haus  E am Landgraben.«
Diese Anzeige hatte denn auch zur Folge gehabt, daß man den um
die französische Emigrationszeit eingewanderten Mann nicht
Maurice, sondern all meist »Sprichmoris« nannte. Unter
diesem Namen kannte ihn jedes Kind, und erst wenn es lesen lernte und
in die Zeitung guckte, sah es, daß jener eigentlich ganz anders
hieß. Maurice empfing die Väter und Mütter, die ihre
Kinder bei ihm anmeldeten, mit der Höflichkeit, die den
Königen eigen ist. Von geschmeidiger Unterwürfigkeit
besaß er nichts, aber jeder kam bei ihm zu seinem Recht. Mit
großer Artigkeit geleitete er die Herrschaften an die


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