Todsünden - Hermann Heiberg - Страница 1 из 392


Träger dieses vielgefeierten Namens sich erworben, steht nicht in
letzter Linie das: in jenen drangvollen Zeiten, als eine kraftvolle
Gegenwartskunst mit einer schwächlichen Nachklangskunst
zusammenprallte, der neuen Dichtung in den weiteren Kreisen des bis
dahin gleichgültig gebliebenen Publikums Bahn gebrochen zu haben.
Es geschah dies durch seine Bücher »Plaudereien mit der
Herzogin von Seeland« und »Apotheker Heinrich.«
Aber wie, Heiberg ein Bahnbrecher? Er war allerdings sehr viel weniger
ein solcher, als die, welche das Wort Realismus auf ihre Fahne
geschrieben hatten. Er – so wenig wie Theodor Fontane –
brach auch keineswegs so ganz mit der Vergangenheit, wie jene es zu
thun meinten; er – so wenig wie Theodor Fontane – stellte
keine großartigen, langatmigen und langweiligen Programme auf;
er – so wenig wie Theodor Fontane – spielte sich als
Begründer einer ganz neuen, noch nie dagewesenen Poesie auf.
Dafür vollbrachten Theodor Fontane und Hermann Heiberg
realistische Thaten; sie waren unter den ersten in Deutschland, welche
die Wirklichkeitskunst begründeten. In den siebziger Jahren
erschien ganz im Stillen Fontanes »L'Adultera«; Heiberg
schrieb 81 seine graziösen, entzückenden Plaudereien und
zwar nur, »um seine mißmutigen Gedanken zu
töten,« keineswegs aber, am allerwenigsten, um
Belegstücke zu liefern, welche die einzige Berechtigung des neuen
Dogmas darthun sollten. Er schrieb sie freilich gerade in der


-10     пред. Страница 1 из 392 след.     +10