Ueber Goethe's naturwissenschaftliche Arbeiten - Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz - Страница 1 из 37


naturwissenschaftliche Arbeiten Vortrag gehalten zu Königsberg,
1853 (mit einer Nachschrift von 1875) Goethe, dessen umfassendes
Talent namentlich in der besonnenen Klarheit hervortrat, womit er die
Wirklichkeit des Menschen und der Natur in ihren kleinsten Zügen
mit lebensfrischer Anschauung festzuhalten und wiederzugeben wusste,
ward durch diese besondere Richtung seines Geistes mit Nothwendigkeit
zu naturwissenschaftlichen Studien hingeführt, in denen er nicht
nur aufnahm, was Andere ihn zu lehren wussten, sondern auch, wie es
bei einem so ursprünglichen Geiste nicht anders sein konnte, bald
selbstthätig und zwar in höchst eigenthümlicher Weise
einzugreifen versuchte. Er wandte seine Thätigkeit sowohl dem
Gebiete der beschreibenden, als dem der physikalischen
Naturwissenschaften zu; jenes geschah namentlich in seinen botanischen
und osteologischen Abhandlungen, dieses in der Farbenlehre. Die ersten
Gedankenkeime dieser Arbeiten fallen meist in das letzte Jahrzehnt des
vorigen Jahrhunderts, wenn auch ihre Ausführung und Darstellung
theilweise später vollendet ist. Seitdem hat die Wissenschaft in
sehr ausgedehnter Weise vorwärts gearbeitet, zum Theil ganz neues
Ansehen gewonnen, ganz neue Gebiete der Forschung eröffnet, ihre
theoretischen Vorstellungen mannigfach geändert. Ich will
versuchen, im Vorliegenden das Verhältniss der Arbeiten Goethe's
zum gegenwärtigen Standpunkte der Naturwissenschaften zu


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