Ueber das Verhältnis der Naturwissenschaften zur Gesammtheit der Wissenschaft - Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz - Страница 1 из 43


Naturwissenschaften zur Gesammtheit der Wissenschaft Akademische
Festrede gehalten zu Heidelberg beim Antritt des Prorectorates, 1862
Hochgeehrte Versammlung! Unsere Universität erneuert in der
jährlichen Wiederkehr des heutigen Tages die dankbare Erinnerung
an einen erleuchteten Fürsten dieses Landes, Karl Friedrich, der
während einer Zeit, als die ganze alte Ordnung Europas
umzustürzen schien, eifrig und im edelsten Sinne bemüht war,
das Wohl und die geistige Entwickelung seines Volkes zu fördern,
und der es richtig zu erkennen wusste, dass die Erneuerung und
Wiederbelebung dieser Universität eines der Hauptmittel zur
Erreichung seiner wohlwollenden Absichten sein würde. Indem ich
an einem solchen Tage von diesem Platze aus als Stellvertreter unserer
gesammten Universität zu der gesammten Universität zu
sprechen habe, ziemt es sich wohl, einen Blick auf den Zusammenhang
der Wissenschaften und ihres Studiums im Ganzen zu werfen, so weit
dies von dem beschränkten Standpunkte aus möglich ist, den
der Einzelne einnimmt. Wohl kann es in jetziger Zeit so scheinen,
als ob die gemeinsamen Beziehungen aller Wissenschaften zu einander,
um deren Willen wir sie unter dem Namen einer Universitas litterarum
zu vereinigen pflegen, lockerer als je geworden seien. Wir sehen die
Gelehrten unserer Zeit vertieft in ein Detailstudium von so
unermesslicher Ausdehnung, dass auch der grösste Polyhistor nicht
mehr daran denken kann, mehr als ein kleines Theilgebiet der heutigen


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