Ueber die physiologischen Ursachen der musikalischen Harmonie - Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz - Страница 1 из 52


musikalischen Harmonie Vorlesung gehalten in Bonn 1857 Hochgeehrte
Versammlung! In der Vaterstadt Beethoven's, des gewaltigsten unter
den Heroen der Tonkunst, schien mir zur Besprechung in einem
grösseren Kreise kein Gegenstand geeigneter, als die Musik. Ich
will daher, der Richtung folgend, die meine Arbeiten in der letzten
Zeit genommen haben, versuchen Ihnen auseinander zu setzen, was Physik
und Physiologie über die geliebteste Kunst des Rheinlandes,
über Musik und musikalische Verhältnisse zu sagen wissen.
Die Musik hat sich bisher mehr als jede andere Kunst der
wissenschaftlichen Behandlung entzogen. Dichtkunst, Malerei und
Bildhauerei entnehmen wenigstens das Material für ihre
Schilderungen aus der Welt der Erfahrung; sie stellen Natur und
Menschen dar. Nicht blos kann dieses ihr Material auf seine
Richtigkeit und Naturwahrheit kritisch untersucht werden, sondern auch
in der Erforschung der Gründe für das ästhetische
Wohlgefallen, welches die Werke dieser Künste erregen, hat die
wissenschaftliche Kunstkritik, wenn auch enthusiastische Seelen ihr
dazu oft die Berechtigung bestreiten, unverkennbare Fortschritte
gemacht. In der Musik dagegen behalten, wie es scheint, vorläufig
noch diejenigen recht, welche die kritische »Zergliederung ihrer
Freuden« von sich weisen. Diese Kunst, die ihr Material nicht
aus der sinnlichen Erfahrung nimmt, die nicht die Aussenwelt zu
beschreiben, nur ausnahmsweise sie nachzuahmen sucht, entzieht dadurch


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