Das Dorf im Gebirge - Hugo von Hofmannsthal - Страница 1 из 5


sind die Leute aus der Stadt gekommen und wohnen in allen großen
Stuben. Die Bauern und ihre Weiber schlafen in den Dachkammern, die
voll alten Pferdegeschirrs hängen, voll verstaubten
Schlittengeschirrs mit raschelnden gelben Glöckchen daran, alter
Winterjoppen, alter Steinschloßgewehre und unförmlicher
rostblinder Sägen. Sie haben aus den unteren Stuben alle ihre
Sachen weggetragen und alle Truhen für die Stadtleute
freigemacht, und nichts ist in den Stuben zurückgeblieben als der
Geruch von Keller mit großen Rahmeimern und altem Holz, der sich
aus dem Innern des Hauses durch die kleinen Fenster zieht und in
unsichtbaren Säulen säuerlich und kühl über den
Köpfen der blaßroten Malven bis gegen die großen
Apfelbäume hin schwebt. Nur den Schmuck der Wände hat
man zurückgelassen: die Geweihe und die vielen kleinen Bilder der
Jungfrau Maria und der Heiligen in geschnitzten und papierenen Rahmen,
zwischen denen Rosenkränze aus unechten Korallen oder winzigen
Holzkugeln hängen. Die Frauen aus der Stadt hängen ihre
großen Gartenhüte und ihre bunten Sonnenschirme an die
Geweihe; in der Schlinge eines Rosenkranzes befestigen sie das Bild
einer Schauspielerin, deren königliche Schultern und hochgezogene
Augenbrauen unvergleichlich schön einen großen Schmerz
ausdrücken; die Bilder von jungen Männern, von
berühmten alten Menschen und von unnatürlich lächelnden
Frauen lehnen sie an den Rücken eines kleinen wächsernen


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