Das fremde Mädchen - Hugo von Hofmannsthal - Страница 1 из 10


Als der Vorhang zum erstenmal aufging, saßen zweie miteinander
da an einem schön erleuchteten kleinen Tisch und speisten, ein
reicher junger Mann und seine Freundin. Kellner liefen, und rote
verschnürte Zigeuner spielten laute Musik. Wo die beiden
saßen, war alles Glanz, Reichtum, Wohlleben und Herrlichkeit,
aber sie sahen beide gleichgültig und beinahe traurig drein,
namentlich der junge Mann schien freudlos, unzufrieden wie es die
Reichen oft zu sein pflegen. Die Kellner, die Musiker, die sich
mühten, ihn mit Speisen und Musik zu bedienen, hatten für
sein Auge alle die gleichen, unlebendigen, häßlichen
Maskenköpfe, das ärgert ihn und er sieht seitwärts von
seinem Tisch ins Dunkel der Straße hinein; wie man in ein
Aquarium hineinsieht, in ein anderes Leben, sieht er auf die traurigen
und bösen Gestalten, die sich dort hin und her schieben und auf
die Pracht herüberstarren, in der er drin sitzt. Schon will er
den kalten gleichgültigen Blick wieder abwenden, da ist es als
unternähmen einige auf der Straße etwas, um ihn gerade auf
sie hinsehen zu machen; als hätten sie ihm etwas zu zeigen, als
versuchten sie auch da draußen, in irgendeiner Weise ihm zu
dienen oder Zerstreuung zu bieten. Es ist ihrer ein ganzer Klumpen,
der sich auf dem Straßenpflaster beisammenhält: ein altes
Weib, ein Buckliger, ein Einarmiger, einer, der nur ein Auge hat, und
ein junger frecher Großer mit einer Kappe. Gespannt schauen sie


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