Der goldene Apfel - Hugo von Hofmannsthal - Страница 1 из 23


Teppichhändler auf der Heimreise mit seinen fünf Kamelen,
einem Diener und einem jungen Kameltreiber in die gelbliche alte Stadt
am letzten Abhang des Gebirges – mit Namen die Stadt der
Kühlen Brunnen – einritt, überkamen ihn sogleich eine
Menge Erinnerungen, deren Schauplatz diese Stadt für ihn war,
denn er hatte sie vor sieben Jahren, als gleichfalls seine
Geschäfte ihn zu einer Reise nötigten, schon einmal
betreten. Von hier aus gedachte er nun, da er seine Teppiche, die Last
von vierzig Kamelen, mit reichlichem Gewinn veräußert
hatte, in weniger als zwanzig Stunden die große Stadt, in der er
lebte und seine Frau zurückgelassen hatte, zu erreichen. Und hier
überfielen ihn stückweise jene Erinnerungen an eine
vergessene Zeit seines Lebens. Als er im Hof der Herberge stand,
trug der Kameltreiber einen großen Eimer mit Wasser daher, und
die durstigen Tiere hoben ihre greisenhaften Köpfe und sogen mit
weit offenen Nüstern, indem sie einen eigentümlich gierigen
Laut von sich gaben, den Hauch des Wassers ein. Der
Teppichhändler griff mit der Hand in den Eimer, als der Bursch
dicht an ihm vorbeikam, einen Schwimmkäfer herauszunehmen, der
auf der Oberfläche dahinruderte; und indem er seine rechte Hand,
die einen schönen Ring trug, doppelt sah, denn der dunkle feuchte
Spiegel warf ihr Bild zurück, mußte er sich plötzlich
mit der äußersten Deutlichkeit dessen erinnern, wie seine
Hand vor sieben Jahren ausgesehen hatte, nämlich magerer,


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