Erlebnis des Marschalls von Bassompierre - Hugo von Hofmannsthal - Страница 1 из 16


Bassompierre Zu einer gewissen Zeit meines Lebens brachten es
meine Dienste mit sich, daß ich ziemlich regelmäßig
mehrmals in der Woche um eine gewisse Stunde über die kleine
Brücke ging (denn der Pont neuf war damals noch nicht erbaut) und
dabei meist von einigen Handwerkern oder anderen Leuten aus dem Volk
erkannt und gegrüßt wurde, am auffälligsten aber und
regelmäßigsten von einer sehr hübschen Krämerin,
deren Laden an einem Schild mit zwei Engeln kenntlich war, und die, so
oft ich in den fünf oder sechs Monaten vorüber kam, sich
tief neigte und mir soweit nachsah, als sie konnte. Ihr Betragen fiel
mir auf, ich sah sie gleichfalls an und dankte ihr sorgfältig.
Einmal, im Spätwinter, ritt ich von Fontainebleau nach Paris und
als ich wieder die kleine Brücke heraufkam, trat sie an ihre
Ladentür und sagte zu mir, indem ich vorbeiritt: »Mein
Herr, Ihre Dienerin!« Ich erwiderte ihren Gruß und, indem
ich mich von Zeit zu Zeit umsah, hatte sie sich weiter vorgelehnt, um
mir soweit als möglich nachzusehen. Ich hatte einen Bedienten und
einen Postillon hinter mir, die ich noch diesen Abend mit Briefen an
gewisse Damen nach Fontainebleau zurückschicken wollte. Auf
meinen Befehl stieg der Bediente ab und ging zu der jungen Frau, ihr
in meinem Namen zu sagen, daß ich ihre Neigung, mich zu sehen
und zu grüßen, bemerkt hätte; ich wollte, wenn sie
wünschte, mich näher kennen zu lernen, sie aufsuchen, wo sie


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