Gedichte - Hugo von Hofmannsthal - Страница 1 из 46


könnt ich viel größer sie denken:
Aber den Markusplatz nicht, niemals den Dom von Florenz. (1898)
Dein Antlitz. . . Hugo von Hofmannsthal Dein Antlitz war mit
Träumen ganz beladen.
Ich schwieg und sah dich an mit stummem Beben.
Wie stieg das auf! Daß ich mich einmal schon
In frühern Nächten völlig hingegeben Dem Mond
und dem zuviel geliebten Tal,
Wo auf den leeren Hängen auseinander
Die magern Bäume standen und dazwischen
Die niedern kleinen Nebelwolken gingen Und durch die Stille hin
die immer frischen
Und immer fremden silberweißen Wasser
Der Fluß hinrauschen ließ – wie stieg das auf !
Wie stieg das auf! Denn allen diesen Dingen
Und ihrer Schönheit – die unfruchtbar war –
Hingab ich mich in großer Sehnsucht ganz,
Wie jetzt für das Anschaun von deinem Haar
Und zwischen deinen Lidern diesen Glanz! Ich lösch das
Licht ... Ich lösch das Licht
Mit purpurner Hand,
Streif ab die Welt
Wie ein buntes Gewand Und tauch ins Dunkel
Nackt und allein,
Das tiefe Reich
Wird mein, ich sein. Groß' Wunder huschen
Durch Dickicht hin,
Quelladern springen
Im tiefsten Sinn, O spräng noch manche,
Ich käm in' Kern,
Ins Herz der Welt
Allem nah, allem fern. (1893) Die Dichter und die Zeit
Wir sind dein Flügel, o Zeit, doch wir nicht die tragende Klaue!
Oder verlangst du so viel: Flügel und Klaue zugleich?


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