Knabengeschichte - Hugo von Hofmannsthal - Страница 1 из 7


krümmte sich der Sperber, den die Buben an das Scheunentor
genagelt hatten, der hereinbrechenden Nacht entgegen. Euseb, der
älteste von denen, die es getan hatten, stand in der
Dämmerung und starrte auf den Vogel, aus dessen leuchtenden Augen
die Raserei hervorschoß, indes er sich an den eisernen
Nägeln, die seine Flügel durchdrangen, zu Tode zuckte. Da
stieß aus der dunkelnden Luft das Weibchen herab, mit gellendem
Schrei flog es wie sinnlos schwindelnde kleine Kreise, hing dann mit
ausgespannten Flügeln und glimmenden Augen starr da und warf sich
jäh aufwärts, rückwärts gegen die Bergwand hin, in
wahnsinnig wilden Flügen verschwindend, wiederkehrend. Ihr
Schreien sollte das nachtschwarze Gewitter, das da lag und mit seinem
zurückgehaltenen Blitz den eigenen Leib durchflammte, heranlocken
und mit Zauberkreisen auf das Dorf niederziehen. Der Knabe Euseb hielt
sich kaum auf den Beinen und das Grausen faßte ihn im Genick,
daß er nicht den Augapfel zu drehen wagte. Dennoch ergriff er
nochmals den Hammer, um seinen Vater zu finden. Als aber nun, unter
einem lautlosen Blitz, die ganze Scheune fahl aufzuckte, und nun von
einem Windstoß aufgestört zu seiner Rechten der
bärtige Ziegenmelker aus einem Mauerspalt hervorschoß,
einen Käfer zu spießen, zu seiner Linken die Fledermaus
hintaumelte, so riß es ihn herum und trieb ihn mit knirschenden
Zähnen ins Dorf hinab. Da zeigte ein neuer Blitz dicht vor ihm


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