Natur und Erkenntnis - Hugo von Hofmannsthal - Страница 1 из 241



Erinnerung Meine Gedanken schweifen nach jenen Jugendtagen
zurück; aber nicht wie vor dem inneren Blick dessen, der vom
Leben Abschied nimmt, erhebt sich auf fahlem Boden als ein starrendes
Nebeneinander das vielfältig nacheinander Erlebte, sondern ich
lande in einem geisterhaften Raum, in dessen dunkelglänzender
Fülle die Seele badet. Der Raum ist mit der Kühnheit des
Traumes herrlich gestaltet, ohne daß er irgendein Gerät
enthielte; ja nur ungefähr sind seine Wände angedeutet als
ein Etwas, das sein geräumiges Innen von einem mit düsterem
Glanz hereindrohenden Außen trennt. Den Raum erfüllt
eine Menge; aber es ist die Menge des Traumes, welche der Zahl
spottet. Vielleicht sind es ihrer nicht allzu viele. Wer weiß
auch, ob es durchaus sterbliche Wesen sind, deren Gegenwart dieses
gedämpfte harmonische Durcheinanderwogen bildet, oder ob nicht
seine eigenen Emanationen gleich abgelösten Spiegelbildern mit
dem einzelnen Gast wandeln und durch die Gegenwart dieser Genien jene
eigentümlich reichen Gruppen entstehen, gleich Bündeln von
Masken, Garben farbigen Wassers oder erleuchteten Kandelabern, von
deren Anblick dem Auge in diesem Raum so wohl wird. Ich erkenne
manchen; aber nicht auf ganz irdische Weise; und ich kann nicht sagen,
daß ein Wesen in diesem Raum mir völlig fremd wäre.
Ein Fetzen ihrer Unterredungen, der mir am Ohr vorbeifliegt,


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