Reise im nördlichen Afrika - Hugo von Hofmannsthal - Страница 1 из 21


Fez Das Haus, das ich bewohne, liegt am Rande der Stadt, keine
hundert Schritt von der hohen alten Stadtmauer, die, mit Zinnen
durchaus und je einem Turm alle tausend Schritt, die ganze über
zwei Hügel hingestreckte Häusermenge umschließt und
die Stadt erst zur Stadt macht, zur gewaltigen, seit tausend Jahren
gesicherten, gegen das leere hügelige Land hin, das für die
Reisenden und Schweifenden da ist; offen und öde, mit einem
weißen rundkuppeligen Heiligengrab da und dort, oder einem
einzelnen Baum, oder ein paar erdfarbigen Nomadenzelten, und in der
Ferne die weißschimmernde Gipfelkette des hohen Atlas, aber in
solcher Ferne am Horizont, daß dieser Streif von Grau und Silber
mit seiner Last von leicht auf ruhenden weißen Haufenwolken dem
Himmel nichts von seiner Reinheit und Leere nimmt, nichts von seiner
Höhe, aus der die klare kühle Nordostluft unablässig
herabweht, durchschnitten vom ruhigen Flug der vielen Störche
oder vom Flattern eines weißen Taubenschwarmes, über dem,
ihn niederdrückend, die rostfarbigen Falken kreisen. Aber sowie
ich die oberste Terrasse meines Hauses verlasse und die steile, enge
Treppe hinabsteige, deren Stufen farbige Kacheln sind, mit einem
marmornen Rand eingefaßt; sowie ich unten im Hof meines Hauses
stehe, oder, um es besser zu sagen, im Garten, zwischen den
Orangenbäumen, den Rosenbüschen und den steinernen Becken,
in denen das Wasser immer von innen aufquillt und, über den Rand


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