Reitergeschichte - Hugo von Hofmannsthal - Страница 1 из 16


1848, vor 6 Uhr morgens, verließ ein Streifkommando, die zweite
Eskadron von Wallmodenkürassieren, Rittmeister Baron Rofrano mit
107 Reitern, das Kasino San Alessandro und ritt gegen
Mailand. Über der freien, glänzenden Landschaft lag eine
unbeschreibliche Stille; von den Gipfeln der fernen Berge stiegen
Morgenwolken wie stille Rauchwolken gegen den leuchtenden Himmel; der
Mais stand regungslos, und zwischen Baumgruppen, die aussahen, wie
gewaschen, glänzten Landhäuser und Kirchen her. Kaum hatte
das Streifkommando die äußerste Vorpostenlinie der eigenen
Armee etwa um eine Meile hinter sich gelassen, als zwischen den
Maisfeldern Waffen aufblitzten und die Avantgarde feindliche
Fußtruppen meldete. Die Schwadron formierte sich neben der
Landstraße zur Attacke, wurde von eigentümlich lauten, fast
miauenden Kugeln überschwirrt, attackierte querfeldein und trieb
einen Trupp ungleichmäßig bewaffneter Menschen wie die
Wachteln vor sich her. Es waren Leute der Legion Manaras, mit
sonderbaren Kopfbedeckungen. Die Gefangenen wurden einem Korporal und
acht Gemeinen übergeben und nach rückwärts geschickt.
Vor einer schönen Villa, deren Zufahrt uralte Zypressen
frankierten, meldete die Avantgarde verdächtige Gestalten. Der
Wachtmeister Anton Lerch saß ab, nahm zwölf mit Karabinern
bewaffnete Leute, umstellte die Fenster und nahm achtzehn Studenten
der Pisaner Legion gefangen, wohlerzogene und hübsche junge Leute


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