Maria Regina - Band 1 - Ida von Hahn-Hahn - Страница 1 из 535


Schaching Betrachten wir in der Geschichte der Literatur
Deutschlands jene Frauen, welche mit dem Weihekuß der Poesie auf
der Stirne durch das Leben gewallt sind, so tritt uns in der
vordersten Reihe derselben eine aristokratische Erscheinung entgegen,
die den Ruhm genießt, »die berühmteste deutsche
Schriftstellerin ihrer Zeit« gewesen zu sein: es ist dies die
mecklenburgische Gräfin Ida Hahn-Hahn. Einst von Tausenden
gelesen, bewundert und verehrt, mußte sie doch, wie kaum eine
zweite den Musen dienende Frau, die Unbeständigkeit der
öffentlichen Gunst erfahren im Einklange mit dem Dichterwort:
»Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen.« Ihre
unzähligen Verehrer verwandelten sich in leidenschaftliche
Gegner, und sie sind es gewesen, die das Charakterbild der genialen
Gräfin, mit verzerrten Linien gezeichnet, ihm häßliche
Lichter aufgesetzt und sich in widerlicher Eile überboten haben,
ihr den Ruhmeskranz zu zerpflücken, welchen sie selbst einst der
großen Dichterin zuerkannt hatten. Und was führte diesen
Umschwung der Gesinnung herbei? Der Übertritt der Gräfin
vom Protestantismus zur katholischen Kirche, ein Schritt, welchen ihr
die akatholische Kritik, die sich sonst so gerne ihrer
Objektivität rühmt, niemals verziehen hat.
Ungewöhnlich wie das Leben dieser Frau war auch ihr Denken und
Dichten. Kühn hob sie sich über manche Forderung
göttlichen und menschlichen Gesetzes hinweg, Goethe Recht gebend,


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