Maria Regina - Band 2 - Ida von Hahn-Hahn - Страница 1 из 492


Monat ist der schönste am Genfersee, ist so
sommermäßig, daß die Abende sogar noch warm sind, und
verbindet damit die Vorzüge des Herbstes: gleichmäßige
Witterung, klare Luft und einen unvergleichlichen Schmelz der Farben
auf dem Gebirg und dem See. Die Villa Diodati, berühmt durch den
Aufenthalt, den einst Lord Byron dort machte, liegt auf dem Ufer von
Savoyen, eine Stunde von Genf, in einem terrassierten Garten,
unmittelbar am See, der seinen strahlenden Spiegel wie eine
lichtblaue, mit Goldfunken durchblitzte Emaille vor ihr ausbreitet.
Auf dem entgegengesetzten Ufer steigen die Rebgelände des
Waadtlandes auf, unterbrochen von Schluchten und Hügeln mit
reicher Bebaumung und übersäet mit Städten,
Dörfern, einzelnen Schlössern und Campagnen. Im Osten
schließt das Hochgebirge des Walliserlandes den See ab, schickt
ihm aber aus den gewaltigen Gletschern am Fuße der Grimsel und
Furka die reißende Rhone zu, die im Westen, bei Genf, an dem
Becken des See's im ungeduldigen Jugendmut herausbricht und sich ihre
eigenen Wege sucht, hinab zur Küste des mittelländischen
Meeres. Die Krone des See's und der ganzen Landschaft ist der
gewaltige Montblanc; er liegt da wie ein weißer Marmorblock in
einem Blumengarten. Es war gegen Abend; die Sonne sank und zog
einen rosenfarbenen Schleier über alle Berge, während der
ewige Schnee des Montblanc im feurigsten Rosenlicht aufflammte. Mitten
auf dem See, da, wo man die volle Ansicht des Montblanc hat, schwamm


-10     пред. Страница 1 из 492 след.     +10