An heiligen Wassern - Jacob Christoph Heer - Страница 1 из 395


Wahrzeichen zwei altersgraue Ruinen auf kahlem Felsen sind, erheben
sich mit südlichen Silhouetten am Strom, der seine grauen Wellen
aus dem Hochgebirge wälzt. Im Thalwind erzittern die
schlanken Ruten der Silberweiden und die Blätter der Pappeln,
welche die Wasser säumen, über die Hütten neigen sich
der Kastanien- und der Feigenbaum, die Rebe klettert über das
Gestein, das Land ist licht und üppig, als wär's der Traum
eines italienischen Malers. Von Stelle zu Stelle aber schaut durch
grüne Waldeinschnitte ein fernes, in sonniger Schönheit
aufleuchtendes Schneehaupt in die Stromlandschaft und erinnert den
Wanderer, daß er just da im Hochgebirge geht, wo es seine Zinken
und Zacken am höchsten erhebt. Emsige Wildwasser, die aus
dunklen Schluchten hervorbrechen, reden von stillen
Seitenthälern, die hinter träumenden
Lärchenwäldern versteckt bis an die ewigen Gletscher
reichen. Fast unvermittelt berühren sich in dieser Gegend
Nord und Süd. Vom alten Flecken Hospel, auf den ein graues
Schloß niederschaut, führt eine schmale, doch fahrbare
Straße in eines dieser Seitenthäler, in das vier Stunden
lange Glotterthal, aus dessen, Hintergrund die Krone, eines der
erhabensten Bergbilder des Landes, mit dem Licht ihrer Firnen bis zum
Strome herniedergrüßt. Ein heißer,
brümelnder Junimittag. Auf dem Glotterweg, der sich zuerst in
manchen Kehren durch die Weinbergterrassen von Hospel windet,


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