Der lange Balthasar - Jacob Christoph Heer - Страница 1 из 238


an der Straße, die ins Bergland führt, das große,
holzgeschindelte Bauernhaus »zum Freihof«, früher als
vortreffliches Gasthaus weit bekannt. Mit vielen klaren Fenstern und
einer Holzgalerie, auf der in der schönen Jahreszeit
rotblühende Geranienstöcke nicken, schaut es unter einem
breiten Dach hervor sonnig und behäbig in die Landschaft, bis auf
ein fernes Stück Bodensee. Vor dem Haus saß eine
Gesellschaft junger Stickerinnen, die sich bei Gertrud, der Tochter
des Freihöflers, freundschaftlich zusammengefunden hatten. Sie
trugen die für den Werktag übliche Halbtracht des
Berglandes, den dunklen, in kleinen Vierecken gemusterten Rock, das
mit silbernen Röschen geschmückte Mieder, den gestreiften,
blühweißen Brusteinsatz, im Haar den Silberpfeil. Eifrig
ließen sie die blitzenden Nadeln durch den in runde Rahmen
gespannten Musselin fahren. Den Blumen, die sie stickten, wuchsen die
Blätter, den Vögeln die Flügel. Lange Zeit hörte
man nur den Ruf eines Finken, der seinen Jubel aus den noch
unbelaubten Zweigen eines Apfelbaumes in den schönen Tag sang.
Es war linder März. Am Himmel zogen die Silberschiffe
der Frühlingswolken, und auf der großen Wiese blühten
die ersten Schlüsselblumen und die stahlblauen Enzianen. Da
schritt auf der Straße der Senne Hanstöni heran, der im
Herbst, Winter und Frühling in Haldenegg, im Sommer auf den Alpen
die Käserei betrieb und nun wohl von Einkäufen in den


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