Abhandlung über den Ursprung der Sprache - Johann Gottfried Herder - Страница 1 из 152


der Sprache Erster Teil Haben die Menschen, ihren
Naturfähigkeiten überlassen, sich selbst Sprache erfinden
können? Erster Abschnitt Schon als Tier hat der Mensch
Sprache. Alle heftigen und die heftigsten unter den heftigen, die
schmerzhaften Empfindungen seines Körpers, alle starke
Leidenschaften seiner Seele äußern sich unmittelbar in
Geschrei, in Töne, in wilde, unartikulierte Laute. Ein leidendes
Tier sowohl als der Held Philoktet, wenn es der Schmerz anfället,
wird wimmern, wird ächzen, und wäre es gleich verlassen, auf
einer wüsten Insel, ohne Anblick, Spur und Hoffnung eines
hülfreichen Nebengeschöpfes. Es ist, als obs freier atmete,
indem es dem brennenden, geängstigten Hauche Luft gibt; es ist,
als obs einen Teil seines Schmerzes verseufzte und aus dem leeren
Luftraum wenigstens neue Kräfte zum Verschmerzen in sich
zöge, indem es die tauben Winde mit Ächzen füllet. So
wenig hat uns die Natur als abgesonderte Steinfelsen, als egoistische
Monaden geschaffen! Selbst die feinsten Saiten des tierischen
Gefühls (ich muß mich dieses Gleichnisses bedienen, weil
ich für die Mechanik fühlender Körper kein besseres
weiß!), selbst die Saiten, deren Klang und Anstrengung gar nicht
von Willkür und langsamen Bedacht herrühret, ja deren Natur
noch von aller forschenden Vernunft nicht hat erforscht werden
können, selbst die sind in ihrem ganzen Spiele, auch ohne das


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