Erzählungen - Johann Gottfried Herder - Страница 1 из 3


Alexander aus Mazedonien kam einst in eine entlegne goldreiche Provinz
von Afrika; die Einwohner gingen ihm entgegen und brachten ihm Schalen
dar, voll goldner Äpfel und Früchte. «Esset ihr diese
Früchte bei euch?» sprach Alexander; «ich bin nicht
gekommen, eure Reichtümer zu sehen, sondern von euren Sitten zu
lernen.» Da führeten sie ihn auf den Markt, wo ihr
König Gericht hielt. Eben trat ein Bürger vor und sprach:
«Ich kaufte, o König, von diesem Manne einen Sack voll
Spreu und habe einen ansehnlichen Schatz in ihm gefunden. Die Spreu
ist mein, aber nicht das Gold; und dieser Mann will es nicht
wiedernehmen. Sprich ihm zu, o König, denn es ist das
Seine.» Und sein Gegner, auch ein Bürger des Orts,
antwortete: «Du fürchtest dich, etwas Unrechtes zu
behalten; und ich sollte mich nicht fürchten, ein solches von dir
zu nehmen? Ich habe dir den Sack verkauft, nebst allem, was drinnen
ist; behalte das Deine. Sprich ihm zu, o König.» Der
König fragte den ersten, ob er einen Sohn habe. Er antwortete:
«Ja.» Er fragte den andern, ob er eine Tochter habe, und
bekam ja zur Antwort. «Wohlan», sprach der König,
«ihr seid beide rechtschaffene Leute: Verheiratet eure Kinder
untereinander und gebet ihnen den gefundenen Schatz zur Hochzeitgabe;
das ist meine Entscheidung.» Alexander erstaunte, da er diesen
Ausspruch hörte. «Habe ich unrecht gerichtet», sprach
der König des fernen Landes, «daß du also


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