Gedichte - Johann Gottfried Herder - Страница 1 из 10


Lappländisch          
      Sonne, wirf den hellesten Strahl auf den
Orra-See!
Ich möchte steigen auf jeden Fichtengipfel,
Wüßt ich nur, ich sähe den Orra-See. Ich
stieg auf ihn und blickte nach meiner Lieben,
Wo unter Blumen sie itzo sei. Ich schnitt ihm ab die
Zweige, die jungen frischen Zweige,
Alle Ästchen schnitt ich ihm ab, die grünen
Ästchen. Hätt ich Flügel, zu dir zu fliegen,
Krähenflügel,
Dem Lauf der Wolken folgt‘ ich, ziehend zum Orra-See.
Aber mir fehlen die Flügel, Entenflügel,
Füße, rudernde Füße der Gänse, die
hin mich trugen zu dir. Lange genug hast du gewartet, so viele
Tage,
Deine schönsten Tage,
Mit deinen lieblichen Augen, mit deinem freundlichen Herzen.
Und wolltest du mir auch weit entfliehn,
Ich holte dich schnell ein. Was ist stärker und
fester als Eisenketten, als gewunden Flechten,
So flicht die Lieb uns unsern Sinn um,
Und ändert Will und Gedanken. Knabenwille ist
Windeswille,
Jünglings Gedanken lange Gedanken. Wollt ich alle
sie hören, alle?
Ich irrte ab vom Wege, dem rechten Wege. Einen
Schluß hab ich, dem will ich folgen,
So weiß ich, ich finde den rechten Weg.
Sappho Bruchstücke Übers.: Johann Gottfried Herder
Ach, die gliederlösende böse Liebe quält mich,


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