Anekdoten und Schwänke - Johann Peter Hebel - Страница 1 из 35


der klein angefangen hatte, aber durch Fleiß und Sparsamkeit
tüchtig vorangekommen war, beabsichtigte, sich ein Pferd zu
kaufen, damit er fortan nicht mehr mit der Kuh zu fahren brauchte, mit
der er bis jetzt seine Landarbeiten verrichtet hatte. Er machte sich
deshalb eins Tages auf, um auf dem Viehmarkt in der Kreisstadt das
Ross zu erstehen. Als er die Menge der Gäule sah, die hier zum
Verkauf standen, lachte ihm das Herz im Leibe – und er ging von
einem zum andern, um den rechten zu finden. Endlich blieb er bei einem
Händler stehen, denn dessen Tier schien ihm besonders gut zu
gefallen. Der Händler merkte dies und rühmte sein Ross
über die Maßen; dann bestieg er es und führte es dem
Bäuerlein im Galopp und Trab vor. »Ein schönes
Tier,« dachte der Bauersmann, »gerade für dich
passend, aber das kostet gewiss mehr, als du anlegen kannst; doch das
Fragen steht dir frei.« Als der Händler nun wieder
absaß, fragte ihn das Bäuerlein nach dem Preise des
Pferdes. »Für fünfundzwanzig Dukaten ist es
Euer« sagte der Händler. »Nein,« erwiderte der
Bauer, »das ist mir zu teuer.« – »Nun, was
wollt Ihr denn geben?« fragte der Händler.
»Fünfzehn Dukaten«, erwiderte der Bauer, »aber
ich setze voraus, dass es keine Fehler hat.« Nach langem Hin-
und Herreden wurden endlich beide des Handels einig, aber der Bauer
fügte klugerweise hinzu: »Zeigt das Pferd irgend einen
Fehler, so gilt der Handel nicht. Dazu müsst Ihr mir garantieren


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