Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes - Johann Peter Hebel - Страница 1 из 396


geschwind tun, wenn etwas geschehen soll, als wenn man auf die Stunde
einhalten will. Ein Fussgänger auf der Basler Strasse drehte sich
um und sah einen wohlbeladenen Wagen schnell hinter sich hereilen.
»Dem muss es nicht arg pressieren«, dachte er. –
»Kann ich vor Torschluss noch in die Stadt kommen?« fragte
ihn der Fuhrmann. – »Schwerlich«, sagte der
Fussgänger, »doch wenn Ihr recht langsam fahrt, vielleicht.
Ich will auch noch hinein.« – »Wie weit ist's
noch?« – »Noch zwei Stunden.« –
»Ei«, dachte der Fuhrmann, »das ist einfältig
geantwortet. Was gilt's, es ist ein Spassvogel.« Wenn ich mit
Langsamkeit in zwei Stunden hineinkomme, dachte er, so zwing' ich's
mit Geschwindigkeit in anderthalber und hab's desto gewisser. Also
trieb er die Pferde an, dass die Steine davonflogen und die Pferde die
Eisen verloren. Der Leser merkt etwas. »Was gilt's«, denkt
er, »es fuhr ein Rad vom Wagen?« Es kommt dem Hausfreund
auch nicht darauf an. Eigentlich aber, und die Wahrheit zu sagen,
brach die hintere Achse. Kurz, der Fuhrmann musste schon im
nächsten Dorf über Nacht bleiben. An Basel war nimmer zu
denken. Der Fussgänger aber, als er nach einer Stunde durch das
Dorf ging und ihn vor der Schmiede erblickte, hob er den Zeigfinger in
die Höhe. »Hab ich Euch nicht gewarnt«, sagte er,
»hab' ich nicht gesagt: Wenn Ihr langsam fahrt!«
Johann Peter Hebel Missverstand Im neunziger Krieg, als der Rhein


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