Am Felsensprung - Johanna Spyri geb. Heusser - Страница 1 из 52


1. Kapitel Beim Holzlesen Der
›Schneerücken‹ heißt ein hoher Berggrat, der
auf der einen Seite in ein liebliches Tal mit grünen Wiesen und
reich belaubten Fruchtbäumen, auf der anderen Seite in tiefe,
felsige Schluchten herabschaut, wo der schäumende Wetterbach
durchrauscht. Er kommt von dem grauen Gletscher herunter, den man hoch
zum Himmel ragen sieht. Und so wild und gewaltig stürzt dieses
Bergwasser daher, daß es unten in der Schlucht an den
Felsstücken, die ihm im Wege liegen, hoch aufspritzt und mit
furchtbarem Tosen über die niedrigeren Steinblöcke
hinwegfließt. Am lautesten tost und schäumt der wilde
Fluß an einer Stelle, wo einst die gewaltigen Felstücke
sich von dem hohen Berggestein losgemacht hatten und
heruntergestürzt waren. Diese hemmen nun den Lauf des Wassers so
sehr, daß es sich einmal schäumend zwischen ihnen
durchzwingen und einmal hoch über sie hinwegfluten muß.
Dieser Ort heißt: »Am Felsensprung«. In diese
einsame Bergschlucht hinein, wo kaum eine Menschenstimme vernommen
werden kann wegen des unausgesetzten Tosens und Donnerns des wilden
Wassers, hatten doch Menschen ihre Häuser gebaut. Hart an dem
hohen Felsen stand ein Häuschen mit kleinen Fenstern und einem
Schindeldach, auf dem große Steine die Schindeln festhalten
mußten, damit der Wind sie nicht wegblase. Da wohnte Josef der
Flößer mit seiner Familie. Seinen Zunamen hatte er von
seinem Handwerk her. Er mußte die großen Holzstücke


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