Aus dem Leben - Johanna Spyri geb. Heusser - Страница 1 из 186


Aber ein Kleines – so ruht
Süß sich's am heim'schen Gestade,
                 
          Meta H.-Schw. Als ich in den
Septembertagen von den Bergen nach der Stadt zurückkehrte, war
mein erster Gang hinaus nach dem Krankenhause vor der Stadt, wie auch
vor der Abreise das mein letzter Gang gewesen war. Schon an der Pforte
trat mir die wohlbekannte Diakonissin entgegen und nach der
nahegelegenen Kirche hinweisend, sagte sie: »Sie schläft
schon drüben.« Ich fragte nach der Nummer des Grabes;
ich wußte, daß dieses Grab von keiner Hand der Liebe
geschmückt oder auch nur bezeichnet worden war, und ging nach dem
Gottesacker hinüber. Da lag die friedliche Stätte. Die
Abendsonne warf ihre letzten Strahlen auf den grünen
Grabhügel, und drüben leuchteten die Schneeberge wie
ehemals, da sie mit mir in der Abendsonne über die Hügel
streifte, die nun zur Ruhe gegangen war. Wie lag damals das Erdenleben
so reich vor uns, so weit und voll unbekannter Herrlichkeit! –
Konnten so viele Jahre vergangen sein seit jener Zeit? Mir war,
als hörte ich die wohllautende Stimme, die nun verklungen, mir
noch einmal die Worte singen: »Warte nur, balde
Ruhest du auch!« Auf deinem Grabe steht kein Kreuz,
und niemand kennt hier deinen Namen; aber für mich knüpfen
sich reiche Erinnerungen daran. Ich will ein Blatt auf dein Grab
legen; vielleicht liest es einer und freut sich dann mit mir,


-10     пред. Страница 1 из 186 след.     +10