Beim Weiden-Joseph - Johanna Spyri geb. Heusser - Страница 1 из 56


1. Kapitel Beim Weiden-Joseph Wo schöne grüne
Weidenhügel sich erheben, einer nach dem anderen, und
zwischendurch die Taleinschnitte von schimmernden roten und blauen
Sommerblumen bedeckt sind, liegt das Dörfchen Altkirch. Das
saubere weiße Kirchlein mit dem roten Turm und die
hölzernen Häuser ringsherum liegen vor allen Winden
geschützt im grünen Grund. Denn hinter dem Dörfchen und
von beiden Seiten steigen die Hügel empor, und nur die
Vorderseite ist frei und offen. Diese schaut zu der grünen
Höhe des Rechbergs hinüber, auf dessen Gipfel, von Wald
umgeben, ein anderes Dorf mit seinen weißen, steinernen
Häusern weithin schimmert. Wie die Höhe heißt es
Rechberg. Zwischen den Höhen rauscht der wilde Zillerbach
dahin und bringt von seiner Fahrt aus den Bergen herunter viel Holz
und Steingeröll in den trüben Wellen mit. Von Altkirch zum
Rechberg hinüber führt eine Fahrstraße, die einen
weiten Weg zu machen hat. Erst führt sie im Zickzack den Berg
hinunter bis zum Zillerbach, dann über die alte, gedeckte
Brücke und jenseits wieder im Zickzack hinauf bis zum Dorf
Rechberg. Im ganzen wohl zwei Stunden lang. Kürzer und viel
lieblicher ist der schmale Fußpfad, der mitten über die
Höhe hin zum Zillerbach hinunterführt, gerade auf den
schmalen, hölzernen Steg zu, der hier über den
reißenden Bach geht. Der Steg ist so schmal, daß nur eine
Person auf einmal darüber gehen kann. Und es ist gut, daß


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