Heimatlos - Johanna Spyri geb. Heusser - Страница 1 из 216


Kinder und solche, die Kinder lieb haben Am Silser- und
am Gardasee Im stillen Hause Im Ober-Engadin, in der
Straße gegen den Maloja hinauf, liegt ein einsames
Dörfchen, das heißt Sils. Da geht man von der Straße
querfeldein, und hinten, ganz nahe an den Bergen, liegt ein kleiner
Ort, der heißt Sils-Maria. Da standen ein wenig abseits im Felde
zwei Häuschen einander gegenüber. Die hatten beide uralte
hölzerne Haustüren und ganz kleine Fenster tief in der Mauer
drinnen. Beim einen Haus war ein kleines Stück Garten, da wuchs
Kraut und Kohl, und es standen auch vier Blumenstöcke darin, die
sahen aber mager aus und waren aufgeschossen wie das Kraut. Beim
anderen Häuschen war gar nichts als ein kleiner Stall neben der
Tür; da krochen zwei Hühner aus und ein. Dies Häuschen
war noch kleiner als das andere, und die hölzerne Tür war
schwarz vor Alter. Aus dieser Tür trat jeden Morgen um
dieselbe Zeit ein großer Mann, der mußte sich bücken,
um hinauszukommen. Der große Mann hatte ganz
glänzend schwarze Haare und schwarze Augen, und unter der
schöngeformten Nase fing gleich ein so dichter schwarzer Bart an,
daß man vom übrigen Gesichte nichts mehr sah als die
weißen Zähne, die zwischen den Barthaaren durchblitzten,
wenn der Mann einmal sprach; aber er sprach wenig. Alle Leute in Sils
kannten den Mann, doch niemand nannte ihn bei einem Namen, er
hieß bei allen nur »der Italiener«. Er ging


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